Vortrag „(Über-)Leben am Nil“ von Birgit Kemmerling

DRK Kreisverband Brilon leitet Erste-Hilfe Kurs für Flüchtlinge
Januar 12, 2017
Integration durch und in den Wintersport
Februar 8, 2017

(Über-)leben am Nil – Erfahrungen aus Uganda, Südsudan, Sudan und Ägypten

Ein Bericht von Reik Häger

 

Im Zuge der Vortragsreihe des Winterberger Vereins „Kipepeo-fair und sozial e.V.“, welche sich primär auf andere Länder und Kulturen spezialisiert, referierte Birgit Kemmerling (Freiburg) über ihre Erfahrungen, welche sie im Zuge von Auslandseinsätzen mit Caritas International erlangen konnte. Ferner hat Birgit Kemmerling im Zuge der Forschung für ihre Doktorarbeit über die Bewässerungslandwirtschaft in Ägypten eine Zeit in Afrika vor Ort gelebt. Seit 2013 ist sie als Projektreferentin bei der Caritas International immer wieder in den Nilanrainerstaaten tätig.

In der derzeitigen medialen Berichterstattung spielen Konflikte, welche in Afrika (z.B. Sudan) stattfinden, unter Omnipräsenz des Nahen und Mittleren Osten, oft nur eine untergeordnete Rolle. Der Fokus des Vortrags, welcher am 14.01.2017 von 19.00 bis 21.00 Uhr in den Räumen von Kipepeo in der Hellenstr, 10 in Winterberg vor einem sehr interessierten Publikum stattfand, lag hierbei auf dem Südsudan. Nur weil dieses Land kaum internationale Beachtung erlangt, kann man nicht sagen, dass dort keine Konflikte vorherrschen. Im Gegenteil: Zwischen verschiedenen politischen und gesellschaftlichen Gruppen liegen multidimensionale Problemlagen vor, die mitunter durch die Interessen an Ressourcen, wie z.B. Öl, noch verstärkt werden.

Selbst nach der Gründung des neuen Staates Südsudan im Jahre 2011 hörten die Konflikte nicht auf. Sie verlagerten sich nur und werden größtenteils in ähnlicher Brutalität weitergeführt. In der Hauptstadt Juba haben sich aufgrund der kriegerischen Auseinandersetzungen nach der Gründung des Staates spontane Zeltstädte gegründet, in denen tausende von Menschen ohne Perspektive auf Verbesserung ihrer Lebensumstände verweilen und nur durch den Einsatz verschiedenster Hilfsorganisationen versorgt werden. Ein Beispiel hierfür ist, dass in der ganzen Hauptstadt Juba kein fließendes Wasser existiert. Fast alle lebensnotwendigen Produkte müssen importiert werden, vor allem aus Uganda.

Die Stadt Abyei, welche in einem umstrittenen Gebiet liegt, auf das sowohl der Sudan als auch der Südsudan Anspruch erhebt, da dort viele Ölvorkommen sind, ist zu einer Geisterstadt geworden. Selbst eine Schule, die bereits aufgebaut wurde, ist bereits wieder bis auf die Grundmauern zerbombt worden. Ehemals sichere Gebiete, wie die Stadt Yambio, sind aktuell wieder umkämpft.

Die Schwere der Problematiken wird u.a. dadurch deutlich, dass im ganzen Land nur noch 100 km befahrbare Asphaltstraßen existieren und bereits kleine Distanzen von den Hilfsorganisationen per Flugzeug überwunden werden müssen, nicht nur wegen der Unbefahrbarkeit, sondern auch aus sicherheitstechnischen Gründen.

Bei den vorherrschenden Bedingungen wundert es nicht, dass eine sehr starke Binnenmigration (also die Migration von einem Landesteil in einen anderen), nämlich die fünftstärkste weltweit, und auch eine starke Migration in die angrenzenden Länder stattfindet. Beide Migrationsarten stehen für die Bewohner*innen jeweils unter den beiden Fragen: „Wo bin ich eher in Sicherheit“ und „wo bekomme ich Hilfe?“

Birgit Kemmerling wusste auf interessante und sachliche Art und Weise von den vorherrschenden Problemen zu berichten. Das interessierte Publikum stellte ihr eine Vielzahl von Fragen, die sie souverän aufgrund ihrer fachlichen und eigenen Erfahrungen zu beantworten wusste. Als Fazit des Abends kann man festhalten, dass weltweite Probleme existieren; wir die Problematiken mancher Länder jedoch nicht kennen, da sie in unseren Medien nicht omnipäsent sind.

Der nächste Vortrag in dieser Reihe findet am 10.02.2017 um 19.00 Uhr in den Räumlichkeiten von Kipepeo statt. In diesem referiert Jennifer Michalak Magdeburg) über das Thema „Israel – das Land des Terrors?“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.